Teil 2: Alpine Formulierungen in der Naturkosmetik. Nach der wilden Malve, dem Frauenmantel und der Melisse geht es im zweiten Teil unserer Serie mit noch mehr alpiner Superkraft weiter. Mit der Alpenrose, dem Edelweiß, der wohl symbolträchtigsten Alpenpflanze, der Arnika, dem gelben Enzian und der Linde. Abgerundet mit Behandlungstipps für Institut und Praxis.
Rhododendron ferrugineum (Alpenrose)
Die Alpenrose symbolisiert Vitalität und die Kraft der Berge. Sie enthält Polyphenole und wasserspeichernde Proteine, sogenannte Dehydrine, die unsere Haut vor oxidativem Stress schützen und ihre Barrierefunktion stärken können. Die langlebige, kräftig rote Bergblume gedeiht in Höhen ab 1.500 Metern und trotzt sogar extremen Wetterbedingungen. Ihr Blattextrakt hat eine nachweislich hautverjüngende und eine zellstärkende Wirkung – und erhöht die Widerstandsfähigkeit der Haut gegenüber äußeren Einflüssen.
- Anwendung in der Kosmetik: Alpenrosenextrakt ist ein vielversprechender Wirkstoff in Anti-Aging-Produkten, um empfindliche und reife Haut vor Umwelteinflüssen und vorzeitiger Hautalterung zu schützen. In Kombination mit zum Beispiel kosmetischem Ultraschall kann dieser tief in die Haut eindringen und dort seine regenerierende Wirkung optimal entfalten.
Leontopodium alpinum (Edelweiß)
Das Edelweiß ist seit jeher die Königin der Alpenpflanzen. Besonders anpassungsfähig, kann sie auch in extremen Höhen und unter wechselnden Witterungseinflüssen überleben. Der Extrakt enthält neben weiteren mehr als 50 Wirkstoffen Luteolin und Chlorogensäure, zwei entzündungshemmende und antioxidativ wirkende Radikalfänger. Wirkstoffe des Edelweiß können die Regeneration UV-geschädigter Haut unterstützen und Pigmentflecken und vorzeitiger Faltenbildung vorbeugen. Kleiner Wermutstropfen: Das Wirkpotenzial ist auch eine Frage der Dosierung und der Kombination mit weiteren Inhaltsstoffen.
- Anwendung in der Kosmetik: Häufig in Sonnenschutzprodukten und regenerierenden Seren eingesetzt, eignet sich Edelweiß zur Behandlung gestresster Haut, zur Hydratisierung und Revitalisierung. Auch in Kombination mit Lymphdrainagen oder der Mikrodermabrasion.
Arnica montana (Berg-Arnika)
Berg-Arnika ist bekannt für ihre reizlindernden und “heilenden” Eigenschaften. Eingesetzt in der Naturheilkunde, zur inneren und äußeren Anwendung. Der Hauptwirkstoff Helenalin kann Schwellungen bis zu einem gewissen Grad reduzieren, Rötungen beruhigen. Arnika kann die kapillare Durchblutung verbessern, was sie auch für die Behandlung der Couperose interessant macht.
- Anwendung in der Kosmetik: Nach dem Microneedling, Peelings oder der Dermabrasion kann Arnika die Haut beruhigen. Bei Couperose oder Ödemen: Eine leichte(!) Gua-Sha-Massage kann die Durchblutung der feinen Kapillaren kurzfristig verstärken. Gut geeignet zur Regeneration.
Gentiana lutea (Gelber Enzian)
Der Gelbe Enzian ist ein viel unterschätztes Juwel alpiner Hautpflege. Seine Wurzeln sind reich an Bitterstoffen, die die Zellregeneration fördern, die Hautbarriere stärken und eine hautstraffende Wirkung aufweisen. Das enthaltende Iridoid stimuliert die Kollagensynthese und reduziert die Bildung freier Radikaler. Iridoid wirkt entzündungshemmend.
Der Gelbe Enzian war die Arzneipflanze 2022 in Österreich und ist eine Option bei neurodermitischer und barrieregestörter Haut.
- Anwendung in der Kosmetik: Entschlackende Wellness-Anwendungen (“Detox-Behandlungen”) in Kombination mit Algenpackungen oder Lymphdrainagen.
Tilia cordata (Linde)
Die Linde hat sich in der Volksmedizin längst einen Namen gemacht, als naturkosmetischer Wirkstoff nimmt sie gerade erst Fahrt auf. Lindenblütenextrakte bringen Feuchtigkeit in die Haut und reduzieren Irritationen (eine Frage der Dosierung). Sie fördern die Mikrodurchblutung und können sogar für einen feinen Glow sorgen. Geeignet für verhornte, trockene und schlecht durchblutete Haut.
- Anwendung in der Kosmetik: Zusatz in feuchtigkeitsspendenden Masken. Kombiniert mit heißen Kompressen oder Massagen. Lindenblütenwässer, Seren, Cremes und Öle (auch mit dem ätherischen Öl der Lindenblüte) zur Entspannung und Regeneration.
Im Trend: Kombinationsbehandlungen mit alpinen Wirkstoffen
Alpine Wirkstoffe in der medizinischen Kosmetik und als Wirkverstärker in Spa- und Wellnessanwendungen. Hier einige Beispiele:
- Microdermabrasion: zur Vorbereitung für Anti-Aging-Behandlungen mit Edelweiß oder Alpenrose, um die Wirkstoffaufnahme zu verbessern.
- Microneedling: In Kombination mit Arnika oder Gelbem Enzian zur Förderung der Zellregeneration und Beruhigung der Haut nach der Behandlung.
- Ultraschall, um Edelweiß- oder Alpenrosenextrakte in die Haut einzuschleusen.
- Lymphdrainage: Unterstützt die entschlackende Wirkung von Präparaten mit Gelbem Enzian.
- Packungen und Masken: Lindenblüten- oder Edelweißmasken wirken entspannend, feuchtigkeitsspendend (und -bindend) und antioxidativ. Kombinationen: HIFU (Hochfokussierter Ultraschall), Radiofrequenz, IPL, Laser
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Die Zukunft alpiner Hautpflege:
Alpine Wirkstoffe stehen für Widerstandskraft und natürliche Wirksamkeit. Sie sind damit eine der Antworten auf den wachsenden Wunsch nach nachhaltiger und gleichzeitig effektiver Hautpflege. Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig, von Anti-Aging bis Medical Wellness, und sie machen die alpine Hautpflege zu einer spannenden Facette moderner Beauty-Rituale.